Wieder eine große Chance verpasst

Der Spiesratz‘ schaut ganz verwundert, wo bleibt unser Platt in diesem Jahrhundert?

Vor kurzem hat das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) das Motto für die kommende Karnevalssession bekanntgegeben: „Unser Rad schlägt um die Welt.“ Das ist jetzt zum sechsten Mal hintereinander ein Motto auf Hochdeutsch. Da fragt sich jeder Lokalpatriot: „Wo bleibt denn eigentlich unser Heimatdialekt?“ Es dürfte doch nicht so schwer sein, ein Motto auf Düsseldorfer Platt zu kreieren. Oder? Dass das in der Vergangenheit schon manchmal gut geklappt hat, beweisen einige Beispiele: Dat schlucke mer och noch (1997), Jätz wöhd noch flöck de Mark verjöckt (1999), Mer kann och alles öwerdriewe (2008) oder Hütt dommer dröwer lache (2012). Hier schon einmal zwei Vorschläge für die übernächste Session – natürlich auf Platt: „Dat jöwt et nor here“ oder „Wat et nit all jöwt“. Das wäre doch mal wieder ein Motto ganz im Sinne der Spiesratze, denn schließlich sind sie die Gesellschaft zur Pflege der Mundart und des Heimatbrauchtums.

Foto: Bernhard Lück

Mitgliederversammlung 2019

Zum letzten Mal in dieser Zusammensetzung bei einer Mitgliederversammlung (von links): Baumeister Wilhelm Rosenbaum (Geschäftsführer), Schatzmeister Uwe Schnierer, Oberpolier Dennis Klusmeier und Bausenator Heinz Krudwig (Vorsitzender).

Bereits zum vierten Mal war die Buscher Mühle in Düsseltal Austragungsstätte der Mitgliederversammlung der Spiesratze. Unserem Diplom-Handlanger Manfred Hebenstreit sei Dank, dass in den historischen Räumen der Buscher Mühle diese Veranstaltung stattfinden konnte. Es war schon eine außergewöhnliche Versammlung, denn schon im Vorfeld hatte Vorsitzender Heinz Krudwig angekündigt, dass er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellen wolle. So leitete er ein letztes Mal als Vorsitzender diese Sitzung. Die anschließende Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der Spiesratze ist ein kleines Dankeschön an seine jahrzehntelange, ehrenamtliche Tätigkeit für die Gesellschaft.

Die wichtigsten Stationen
Heinz Krudwig kam schon sehr früh durch seinen Vater „Jupp“ mit den Spiesratzen in Verbindung. 1949 nahm er erstmals im „Baselöngken“ am Düsseldorfer Rosenmontagszug teil. Erst 1960, nach Vollendung seines 18. Lebensjahres, durfte er Mitglied der Spiesratze werden. Schon zwei Jahre später ernannte ihn der legendäre Hans Ludwig Lonsdorfer, damals Vorsitzender, zum Materialverwalter auf Lebenszeit. Diesen Posten bekleidet er auch heute noch. 1984 wurde er dann 2. Vorsitzender der Spiesratze; nachdem er das Amt des Vorsitzenden von Paul Backert kommissarisch übernommen hatte, wurde er schließlich 1992 von den Mitgliedern auf der Mitgliederversammlung eindrucksvoll bestätigt. Nach 27 Jahren als Vorsitzender endet nun eine Ära. Heinz Krudwig hat es hervorragend verstanden, das Narrenschiff der Spiesratze durch alle Stürme zu steuern. Dafür sind die Spiesratze ihm zu großem Dank verpflichtet.

Foto: Bernhard Lück

Heinz Krudwig jetzt Ehrenvorsitzender der Spiesratze


Heinz Krudwig (links) hat soeben die Ernennungsurkunde zum Ehrenvorsitzenden von Oberpolier Dennis Klusmeier erhalten.

Auf der Mitgliederversammlung der Gesellschaft Düsseldorfer Spiesratze kündigte Heinz Krudwig, seit 1992 Vorsitzender der Spiesratze, seinen Rückzug von diesem bedeutenden Amt an. Der 76-Jährige nannte hauptsächlich gesundheitliche Gründe für diesen Schritt. Die anwesenden Mitglieder belohnten ihn mit einem lang anhaltenden Beifall für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Ratze. Angesichts seiner großen Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Spiesratze gewählt. Als Oberpolier Dennis Klusmeier ihm die Ernennungsurkunde überreichte, war er angesichts dieser Auszeichnung sehr gerührt.

An diesem Abend wurde ihm aber noch eine zweite Ehre zuteil. Am 4. März 2019, Rosenmontag, hat Heinz Krudwig zum 70. Mal an einem Düsseldorfer Rosenmontagszug teilgenommen. Dafür erhielt er ebenfalls eine Ehrenurkunde. Außerdem hatten Ulrike und Peter Rathmann ihm einen Miniatur-Spiesratze-Wagen mit rotem Trecker gebaut. Das war eine wirklich gelungene Überraschung. Herzlichen Glückwunsch!

Fotos: Bernhard Lück, Ingrid Rüther

Endgültige Standorte gefunden


Jahrzehntelang waren die beiden großen Spiesratze-Figuren eingelagert. Zwischenzeitlich bestand sogar einmal die Gefahr, dass sie vernichtet werden sollten. Doch dieser Kelch ist an den beiden Figuren vorbei gegangen. Jetzt haben sie einen repräsentativen Platz erhalten – in der Wagenbauhalle. Ein Objekt (1,10 m x 1,10 m) wurde direkt über der Eingangstür des Baubüros der Spiesratze angebracht. Das zweite, gleichgroße Gebilde hat nun einen Platz direkt hinter dem Standort des Spiesratze-Wagens gefunden.

Foto: Bernhard Lück

Zum zweiten Mal in St. Adolfus: Kleine Pfarrkarnevalssitzung – jet leis

Publikumsliebling Heinz Hülshoff rockte den Saal.

Es war ein déja-vus-Erlebnis allererster Güte: Als Heinz Hülshoff, der singende Wirt aus Ratingen, seine Gesangsdarbietung nach mehr als 45 Minuten beendet hatte, flogen ihm die Herzen der Gäste im Pfarrsaal St. Adolfus nur so zu. Mit seinem Repertoire hatte er genau den Geschmack des Publikums getroffen, ein nicht enden wollender Beifall war sein Lohn. Es war wie bei der Premiere vor einem Jahr.

Pfarrkarneval – Jet leis

In Kooperation mit der Katholischen Kirche Derendorf Pempelfort präsentierten die Spiesratze zum zweiten Mal die „Kleine Pfarrkarnevalssitzung – jet leis“ im Pfarrsaal St. Adolfus, Kaiserswerther Straße 62. Ein buntes und abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm mit vielen bekannten Künstlern des rheinischen Karnevals erwartete die Besucherinnen und Besucher. Neben Winfried Ketzer, der als „Hausmeister von nebenan“ in die Bütt stieg, haben Michael Hermes und Heinz Hülshoff für furiose Stimmung gesorgt.
Auch der jecke Nachwuchs erhielt seine Chance. So hat die Karnevals-AG der Katholischen Grundschule Essener Straße ebenso ihr Können auf der närrischen Bühne gezeigt wie die Schlossturmgarde und die Jugendtanzgarde der Bürgerwehr. Der Besuch des Düsseldorfer Prinzenpaares, das mit seiner Adjudantur nach Pempelfort gekommen war, rundete das Programm ab. Prinz Martin I. und Venetia Sabine gaben sich sehr volksnah, gingen an die Tische, um sich mit den Gästen zu unterhalten. Prominente Besucher der Karnevalssitzung waren Bürgermeister Friedrich Conzen mit Gattin, CC-Präsident Michael Laumen und Christian Feldbinder, 1997 Prinz in Düsseldorf. Dass Bürgermeister Friedrich Conzen und CC-Präsident Michael Laumen an der kompletten Sitzung teilgenommen hatten, erfreute die Organisatoren. Das Programm hatte ihnen wohl sehr viel Spaß, und die Stimmung im Saal war grandios. „Ich habe in dieser Session schon fünf, sechs Karnevalssitzungen erleben dürfen, aber die hier war die mit Abstand beste“, sagte Oberpolier Dennis Klusmeier am Ende der Veranstaltung. Er selbst präsentierte sich in Hochform und ließ sich von der guten Stimmung mitreißen.

Fotos: Ralf Krudwig